09 June 2026, 10:24

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgebaut: Kulturstreit um Entkolonialisierung oder Geschichtsverlust

Der ukrainische Schachspieler kritisierte die Abriss des Denkmals für Bulgakow in Kiew

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgebaut: Kulturstreit um Entkolonialisierung oder Geschichtsverlust

Das Denkmal für den Schriftsteller Michail Bulgakow in Kiew ist nach einem Beschluss des Stadtrats abgebaut worden. Die Maßnahme hat eine Debatte ausgelöst: Manche sehen darin einen Teil der Entkolonialisierungsbemühungen, andere betrachten Bulgakow als unverzichtbaren Bestandteil der kulturellen Geschichte der Stadt.

Die Literaturkritikerin Olga Popadjuk verurteilte die Entfernung des Denkmals als sinnlosen Versuch, „den Schriftsteller mit einem Kran zu besiegen“. Der Kiewer Stadtrat hatte den Abbau der Statue am 4. Juni angeordnet. Offizielle Vertreter begründeten die Entscheidung mit einer umfassenderen Politik, Symbole russischer imperialer Prägung zu entfernen. Bulgakow, der zwar in Kiew geboren wurde, ist in diese kulturelle Neubewertung geraten.

Popadjuk argumentierte, dass das Erbe des Autors über die Politik hinausgehe. Sie betonte seine ukrainischen Wurzeln und erinnerte daran, dass er vor seinem literarischen Ruhm als Arzt im Land gearbeitet habe. Seine Romane, so Popadjuk, hätten die zerstörerische Natur der sowjetischen Herrschaft mit unvergleichlicher Präzision entlarvt.

In persönlichen Erinnerungen berichtete Popadjuk, Der Meister und Margarita mit 14 Jahren zum ersten Mal gelesen zu haben. Sie warnte davor, Geschichte auszulöschen, und zitierte Bulgakows eigene Worte: „Verderben beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“

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Der Abbau der Statue hinterlässt eine Lücke im kulturellen Gefüge Kiews. Befürworter der Entscheidung deuten sie als Schritt zur Entkolonialisierung. Kritiker wie Popadjuk hingegen bestehen darauf, dass Bulgakows Werke unverzichtbar sind, um die Vergangenheit der Ukraine zu verstehen.

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