Deutschland setzt auf Ältere: Warum 70 das neue Renteneintrittsalter wird
Frieder LachmannDeutschland setzt auf Ältere: Warum 70 das neue Renteneintrittsalter wird
In Deutschlands politischer und wirtschaftlicher Landschaft übernehmen zunehmend ältere Führungskräfte das Ruder, während jüngere Generationen mit einem späteren Renteneintritt konfrontiert sind. Mit 70 Jahren ist Friedrich Merz zum neuen Vorsitzenden der konservativen Union geworden – und die Rentenkommission drängt nun auf ein Renteneintrittsalter in derselben Höhe. Dieser Wandel spiegelt einen größeren Trend wider, bei dem Erfahrung hoch geschätzt wird – doch nicht alle werden gleichermaßen davon profitieren.
Die Rentenkommission wird voraussichtlich empfehlen, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre anzuheben. Arbeitsministerin Bärbel Bas hat bereits einen schrittweisen Anstieg vorgeschlagen und deutlich gemacht, dass ein früherer Ruhestand für die nach den Babyboomern Geborenen schwerer zu erreichen sein wird. Gleichzeitig deuten Produktivitätsstudien darauf hin, dass die Leistungsfähigkeit im höheren Alter nicht nachlässt – sie könnte sogar bis ins 90. Lebensjahr hinein ihren Höhepunkt erreichen.
Ältere Führungspersönlichkeiten sind weltweit in der Politik auf dem Vormarsch. Xi Jinping (72), Wladimir Putin (73), Benjamin Netanjahu (76) und Donald Trump (79) bleiben in hochverantwortlichen Positionen aktiv. In Deutschland hat die FDP kürzlich Wolfgang Kubicki (74) zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt, während Außenminister Johann Wadephul (63) bei einer UN-Abstimmung einen Rückschlag erlebte.
Auch im Sport werden die Altersunterschiede deutlich. Julian Nagelsmanns Mannschaft, trainiert vom 38-jährigen Coach, gilt gegen Curaçao, dessen Team von dem 78-jährigen Dick Advocaat betreut wird, als Außenseiter. Der Kontrast zeigt, wie oft Erfahrung in Schlüsselpositionen das jugendliche Alter übertrifft.
Angesichts steigender Renteneintrittsalter und der Dominanz älterer Führungskräfte deutet alles auf längere Berufsleben hin. Die Vorschläge der Rentenkommission und Bas’ Pläne signalisieren einen Wandel, bei dem ein Renteneintritt mit 70 zum Standard werden könnte. Für viele bedeutet das Jahrzehnte länger im Arbeitsleben – ob in Politik, Wirtschaft oder anderen Bereichen.






