Kölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem tragischen Einsturz bleibt die Wunde offen
Anton BlochKölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem tragischen Einsturz bleibt die Wunde offen
Fünfzehn Jahre nach dem katastrophalen Einsturz des Kölner Stadtarchivs bleibt die Stelle eine Narbe im Stadtbild. Der Unglücksfall von 2009 verschlang 1,7 Millionen historische Dokumente und forderte zwei Menschenleben, als ein U-Bahn-Tunnelprojekt schiefging. Nun, da die juristischen Verfahren abgeschlossen sind und die Bergungsarbeiten sich bis 2050 hinziehen, bleiben Fragen nach der Verantwortung und der Zukunft des Ortes offen.
Der Einsturz ereignete sich am 3. März 2009, als Bauarbeiter Tunnel für die Nord-Süd-U-Bahn-Linie gruben. Grundwasser strömte in die entstehende Höhlung, riss ein gewaltiges Loch in die Erde und zerstörte das Stadtarchiv sowie angrenzende Gebäude. Zwei junge Männer, Bewohner benachbarter Häuser, kamen ums Leben, als ihre Wohnhäuser in den Erdfall stürzten.
Untersuchungen förderten später zutage, dass kritische Stahlträger vor der Katastrophe gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren. Dennoch verfügte die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die für das Projekt verantwortlich war, über keinerlei Erfahrung mit großangelegten Tunnelbauvorhaben. Die Gerichtsverfahren zogen sich über Jahre hin, doch bis 2024 wurden die Anklagen gegen die letzten Angeklagten fallen gelassen. Die Gerichte begründeten dies mit indirekter Verantwortung und nachlassendem öffentlichen Interesse.
Die U-Bahn-Linie, mittlerweile in Betrieb, spart Pendler:innen acht Minuten – ironischerweise dieselbe Zeit, die der Einsturz des Archivs dauerte. Währenddessen ist die Baustelle bis heute nur teilweise verfüllt, die Arbeiten dauern auch 2023 noch an. Reinhard Matz' Kunstwerk "Klagelied in acht Tafeln", 2022 am Zaun installiert, dient als visuelle Chronik der Tragödie.
Die Bergung der verschütteten Dokumente schreitet voran, doch Experten schätzen, dass die Restaurierung erst 2050 abgeschlossen sein wird. Ein Drittel des Materials gilt als unwiederbringlich verloren. Seit 2011 setzt sich die Aktivist:innengruppe ArchivKomplex für eine Mitsprache bei der Neugestaltung des Geländes und eine würdige Gedenkstätte ein.
Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs hinterließ Spuren – sowohl im Stadtbild als auch in der Geschichte. Mit abgeschlossenen Prozessen und einer nun verkehrenden U-Bahn rückt die langsame Rettung der Dokumente und die ungelöste Debatte über die Zukunft des Ortes in den Fokus. Das Erbe der Katastrophe – gestohlener Stahl, verlorene Akten, zwei früh beendete Leben – bleibt eine schmerzhafte Mahnung an die Risiken städtebaulicher Projekte.






