Netrebkos umkämpfter Triumph: Un ballo in maschera polarisiert an der Staatsoper Berlin
Raphaela HermighausenNetrebkos umkämpfter Triumph: Un ballo in maschera polarisiert an der Staatsoper Berlin
Berliner Staatsoper Unter den Linden präsentiert provokante Neuinszenierung von Un ballo in maschera
Am Samstagabend feierte die Berliner Staatsoper Unter den Linden eine mutige Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Un ballo in maschera Premiere. Die Aufführung mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle der Amelia sorgte sowohl für Begeisterung als auch für Proteste. Die fast dreistündige Vorstellung bildete einen Höhepunkt im Festspielprogramm des Hauses.
Die von Rafael R. Villalobos inszenierte Produktion verband Elemente der queeren Ballroom-Kultur mit Anspielungen auf die AIDS-Krise in bestimmten Szenen. Während einige Zuschauer mit Buhrufen reagierten, fiel die Gesamtresonanz positiv aus – mit starkem Applaus für Musiker und Sänger. Netrebko selbst erhielt von vielen Besuchern begeisterten Beifall.
Vor dem Opernhaus versammelten sich etwa 50 Demonstranten mit ukrainischen Fahnen. Sie skandierten Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat" und protestierten damit gegen Netrebkos Auftritt. Die Sängerin stand in der Vergangenheit wegen ihrer angeblichen Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin in der Kritik, darunter eine Geburtstagsfeier 2021 im Moskauer Kreml.
Auf die Kontroverse angesprochen, bestätigte Intendantin Elisabeth Sobotka, dass sich Netrebko öffentlich von Russland distanziert habe und seit dem Krieg nicht dorthin zurückgekehrt sei. Auch ihre Vertreter betonten, sie habe sich gegen den Angriffskrieg in der Ukraine ausgesprochen. Netrebko, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, trat bereits mehrfach in Berlin auf, unter anderem an der Staatsoper und beim Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt.
Die Premiere von Un ballo in maschera verdeutlichte die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischer Anerkennung und politischer Kritik. Netrebkos Auftritt wurde sowohl gefeiert als auch abgelehnt – ein Spiegel der gespaltenen Meinungen über ihre Karriere. Die Produktion bleibt Teil des Festspielplans der Staatsoper.






