Rödermark gedenkt der Opfer der Novemberpogrome 1938 mit bewegender Zeremonie
Raphaela HermighausenRödermark gedenkt der Opfer der Novemberpogrome 1938 mit bewegender Zeremonie
Rund 150 Menschen versammelten sich am Mahnmal in Rödermark zum 85. Jahrestag der Novemberpogrome 1938. Die Gedenkveranstaltung ehrte die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner von Urberach und Ober-Roden, die aus ihren Häusern vertrieben und später ermordet wurden. Vertreter der Stadt, Religionsgemeinschaften und Anwohner gedachten der Opfer der nationalsozialistischen Gewalt.
Vor November 1938 lebten etwa 50 Jüdinnen und Juden in Urberach und Ober-Roden. Historische Aufzeichnungen – darunter Synagogenarchive, Volkszählungsdaten und Gedenkbücher – belegen ihre Anwesenheit. Familien mit Namen wie Adler, Hecht, Katz und Strauß gehörten bis zu den Pogromen zur Gemeinde.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden fast alle von ihnen gewaltsam vertrieben. Keiner überlebte die Deportationen in die Vernichtungslager im Osten. Seit 2010 erinnert eine Gedenkstätte in der Bahnhofstraße 18 an ihr Schicksal.
Bei der diesjährigen Veranstaltung verlas der Vorsitzende des Stadtrats, Sven Sulzmann, die Namen der Opfer. Pfarrer Oliver Mattes führte anschließend ein interreligiöses Gebet an, das von einem Frankfurter Rabbiner verfasst worden war und zum Ende des Hasses aufrief. Bürgermeister Jörg Rotter betonte, dass "Nie wieder" mehr sein müsse als ein bloßer Slogan – es brauche tägliches Engagement. Zugleich verurteilte er jüngste Feiern in deutschen Städten zum Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und zog eine Verbindung zwischen historischen und aktuellen Gewaltverbrechen.
Die Veranstaltung endete mit einer Schweigeminute am Mahnmal. Die Namen der verlorenen Familien bleiben in Rödermark als dauerhafte Mahnung präsent. Die Verantwortlichen unterstrichen, wie wichtig es sei, Hass entschlossen entgegenzutreten und demokratische Werte im täglichen Handeln zu verteidigen.






