Wagner-Inszenierung in Stuttgart löst mit Celan-Zitat heftigen Eklat aus
Anton BlochWagner-Inszenierung in Stuttgart löst mit Celan-Zitat heftigen Eklat aus
Wagners Die Meistersinger von Nürnberg in Stuttgart löst mit Celan-Zitat Eklat aus
Die jüngste Inszenierung von Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg an der Staatsoper Stuttgart sorgte während der Premiere für Aufsehen. Regie führte Elisabeth Stöppler, die eine Lesung von Paul Celans Todesfuge über Wagners Vorspiel zum dritten Akt einwebte. Diese künstlerische Entscheidung löste bei Teilen des Publikums deutlich hörbares Buhen aus.
Der Vorfall ereignete sich, als Stöppler Celans Gedicht – eine eindringliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust – mit Wagners Musik verband. Die Gegenüberstellung provozierte heftige Reaktionen; einige Zuschauer zeigten ihre Ablehnung offen. Die Stuttgarter Pressestelle verurteilte das Buhen später als "respektlos" gegenüber Celan, einem Überlebenden der Shoah, dessen Werk sich mit den NS-Verbrechen auseinandersetzt.
Die Kontroverse erinnert an frühere Debatten über Wagners Erbe und moderne Deutungen seiner Opern. Ein Besucher gestand, bei einer früheren Stuttgarter Inszenierung des Ring-Zyklus zunächst empört gewesen zu sein – er habe die Produktion als Angriff auf seine Werte empfunden. Jahre später jedoch, nach erneuter Reflexion, schätzte er dieselbe Inszenierung plötzlich.
Mit der gewagten Verbindung von Celan und Wagner hat die Produktion die Diskussion über künstlerische Grenzen und historische Erinnerung neu entfacht. Zwar hat das Opernhaus bisher keine ausführliche offizielle Stellungnahme abgegeben, doch der Vorfall unterstreicht die anhaltenden Spannungen zwischen Tradition und zeitgenössischer Neudeutung in der klassischen Aufführungspraxis.
Musikalischer Triumph trotz Kontroverse
Kritiker lobten die musikalische Ausführung der Premiere am 7. Februar trotz der Celan-Zitat-Kontroverse. Cornelius Meister's Dirigat mit dem Staatsorchester Stuttgart wurde für seine polyphone Klarheit gelobt. Martin Gantner's Hans Sachs-Aufführung wurde als 'tief' und 'hervorragend' beschrieben. Der Staatsopernchor unter Manuel Pujol lieferte 'große Momente' in wichtigen Szenen.