25 March 2026, 10:23

Wie Neslihan Arol in Berlin das türkische Meddah-Theater feministisch neu erfindet

Ein buntes Plakat an einer Gebäudewand mit der Aufschrift "Les Humoristes Journal Hebdomadaire Illustré", das eine Gruppe von lachenden Menschen zeigt.

Wie Neslihan Arol in Berlin das türkische Meddah-Theater feministisch neu erfindet

Neslihan Arol lässt in Berlin eine jahrhundertealte türkische Erzähltradition wieder aufleben

Im Bavul Café in Kreuzberg führt Neslihan Arol das Meddah auf – ein Ein-Personen-Theater, das Humor, Mimikry und gesellschaftskritische Kommentare vereint. Ihre Auftritte heben sich ab, indem sie die von Männern dominierte Geschichte dieser Kunstform herausfordern: Sie erzählt die Geschichten aus einer feministischen Perspektive.

2014 kam Arol erstmals nach Berlin, um für ihre akademische Arbeit über Comedy, Clownerie und Meddah zu forschen. Zuvor hatte sie zwar Chemieingenieurwesen studiert, wechselte dann aber zur Schauspielerei und erwarb einen Masterabschluss mit Schwerpunkt auf Clowns. Ihr Vater hatte sie von einer Theaterlaufbahn abgehalten, doch sie blieb heimlich ihrer Leidenschaft treu.

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Das Meddah entstand im 15. und 16. Jahrhundert in osmanischen Städten. Ursprünglich in Kaffeehäusern und an Hofhalten aufgeführt, verband es Erzählkunst, Satire und moralische Lehren. Im Mittelpunkt stand ein einzelner Erzähler, der mit Witz und Imitationen unterhielt – und dabei gesellschaftliche Missstände subtil kritisierte.

Arols Auftritte brechen auf vielfache Weise mit der Tradition. Früher nutzte sie eine alte Gaslampe auf der Bühne, heute arbeitet sie mit einer einfachen Teelichtkerze. Die Flamme symbolisiert die Spontanität ihrer Geschichten, flackert mal heiter, mal nachdenklich, während sie zwischen Lachen und ernsten Themen wechselt. Ihre Shows sind lebendig, mehrsprachig und politisch aufgeladen, oft mit feministischen Ideen durchzogen.

Enttäuscht von der Abwesenheit humorvoller Frauenrollen im klassischen Theater, entdeckte Arol im Clownspiel ein Ausdrucksmittel. Das Meddah, mit seiner Flexibilität und direkten Zuschauerbindung, wurde zum idealen Medium für ihren mutigen, humorvollen und zum Nachdenken anregenden Stil.

Arols Arbeit belebt das Meddah nicht nur neu, sondern formt es für ein modernes Publikum um. Ihr feministischen Ansatz und ihr verspieltes, doch pointiertes Erzählstil halten die Tradition in einem neuen Kontext am Leben. Die kleine Flamme auf der Bühne bleibt ein stilles, aber kraftvolles Symbol – für ihre Verbindung zur Vergangenheit und ihre Vision für die Zukunft.

Quelle