Wiesbaden wendet sich vom Auto ab – Fußgänger und Radfahrer gewinnen an Terrain
Anton BlochWiesbaden wendet sich vom Auto ab – Fußgänger und Radfahrer gewinnen an Terrain
Wiesbaden setzt zunehmend auf eine Abkehr vom autozentrierten Verkehr: Immer mehr Einwohnerinnen und Einwohner entscheiden sich fürs Zu-Fuß-Gehen, Radfahren oder den öffentlichen Nahverkehr. Aktuelle Daten zeigen einen stetigen Anstieg bei den Fuß- und Radwegen, während das Auto für kurze Strecken trotz städtischer Bemühungen zur Entlastung des Verkehrs nach wie vor stark genutzt wird. Die Entwicklungen passen zum Kurs der Stadt hin zu einem grüneren, nachhaltigeren Verkehrsnetz.
Zu Fuß unterwegs zu sein, ist für ein Drittel der Wiesbadener Bevölkerung mittlerweile das beliebteste Fortbewegungsmittel. Seit 2018 ist der Anteil der täglichen Wege, die zu Fuß zurückgelegt werden, von 27,9 auf 33,5 Prozent gestiegen. Dieser Zuwachs spiegelt einen generellen Trend zu aktiver Mobilität in der Stadt wider.
Auch das Fahrrad gewinnt an Bedeutung – vor allem auf längeren Strecken. Die Zahl der Radfahrten zwischen fünf und zehn Kilometern hat sich seit 2018 mehr als verdoppelt. Zudem steigt der Anteil der Pendler, die mit dem Rad zur Arbeit fahren: Mittlerweile sind es 13 Prozent der Berufswege, 2013 waren es nur 7 Prozent. E-Bikes, die inzwischen jeden fünften Fahrrad in Wiesbaden ausmachen, haben diesen Aufschwung beschleunigt, indem sie das Radfahren für mehr Menschen zugänglicher machen.
Doch bei kurzen Distanzen bleibt das Auto hartnäckig beliebt. Täglich werden in der Stadt noch rund 150.000 Autofahrten von drei Kilometern oder weniger unternommen. Zwar gibt es keine aktuellen Daten zu Veränderungen bei diesen Kurzstrecken, doch die Stadt hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die Abhängigkeit vom privaten Pkw zu verringern. Intelligente Ampelschaltungen, ausgeweitete Buslinien und bedarfsgerechte Angebote wie WiMobil in Biebrich sollen den Verkehr entzerren. Zudem laufen Pläne zur Reaktivierung der Aartalbahn.
Die Nachfrage nach öffentlichem Nahverkehr bleibt stabil – trotz vorübergehender Einschränkungen im Fahrplan und der Einführung des Deutschlandtickets. Insgesamt fahren die Wiesbadener weniger Auto als noch vor fünf Jahren, was sowohl die Modal-Split-Zahlen als auch kürzere Reisezeiten bestätigen.
Die Verkehrsentwicklung in Wiesbaden deutet auf Fortschritte bei den Nachhaltigkeitszielen hin. Da Zu-Fuß-Gehen und Radfahren immer beliebter werden, baut die Stadt die Infrastruktur weiter aus und schafft alternative Verkehrsangebote. Gelingen die aktuellen Vorhaben, könnten weniger Kurzstrecken mit dem Auto und ein besserer ÖPNV die Lebensqualität in der Stadt langfristig steigern.






