Wiesbadens Zukunft im Fokus: Schüler diskutieren mit Politikern über drängende Stadtprobleme
Raphaela HermighausenWiesbadens Zukunft im Fokus: Schüler diskutieren mit Politikern über drängende Stadtprobleme
Lebhafte Diskussion an der Obermayr-Europa-Schule: Schüler und Politiker diskutieren über Wiesbadens Zukunft
An der Obermayr-Europa-Schule fand eine lebendige Diskussion statt, bei der Schülerinnen und Schüler mit Politikerinnen und Politikern aus dem gesamten politischen Spektrum zusammenkamen. Im Mittelpunkt standen Themen wie Stadtentwicklung, Wohnraum, Sicherheit und Integration – wobei jede Teilnehmende ihre eigene Perspektive auf die Zukunft Wiesbadens einbrachte. Die Schüler moderierten die Diskussion souverän, setzten klare Regeln durch und lenkten die Debatte stets auf praxisnahe Lösungen.
Den Auftakt bildete die Frage nach der Gestaltung der Innenstadt. Daniela Georgi (CDU) betonte die Notwendigkeit von Ordnung, Sicherheit und klaren Regeln, um ein funktionierendes urbanes Miteinander zu gewährleisten. Martin Kraft (Grüne) entgegnete, dass Nutzungsvielfalt, Grünflächen und sozialer Zusammenhalt Vorrang vor strengen Vorschriften haben müssten.
Ein weiterer Schwerpunktthema war der Öffentliche Nahverkehr. Kraft bezeichnete ihn als Rückgrat der zukünftigen Stadtentwicklung, während Günther Schäfer (Pro Auto) forderte, zunächst die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit bestehender Systeme zu verbessern, bevor neue eingeführt würden. Die unterschiedlichen Standpunkte zeigten, wie kontrovers die Modernisierung der Infrastruktur diskutiert wird.
Die Wohnungsnot dominierte den nächsten Abschnitt. Marius Becker (SPD) machte das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage für die explodierenden Mieten verantwortlich und plädierte für einen massiven Ausbau des Wohnraums als einzige nachhaltige Lösung. Matthias Bedürftig (Freie Wähler) drängte auf beschleunigte Genehmigungsverfahren, und Mario Bohrmann (BSW) erinnerte daran, dass bezahlbarer Wohnraum eine gesellschaftliche Verpflichtung sei – und nicht nur eine wirtschaftliche Frage.
Bei der Sicherheitsdebatte gingen die Meinungen weit auseinander. Georgi verteidigte Videoüberwachung als präventives Mittel, während Ingo von Seemen (Die Linke) betonte, dass echte Sicherheit nur durch soziale Stabilität und Investitionen in Jugendprogramme erreicht werde. Renate Kienast-Dietrich (BLW) versuchte zu vermitteln: Technologie könne unterstützen, aber niemals das Vertrauen ersetzen, das durch Gemeinschaftsgefühl entsteht.
Später rückte Bildung und Integration in den Fokus. Georgi setzte auf frühe Förderung und strukturierte Programme für junge Menschen, von Seemen forderte mehr Schulsozialarbeit, um Ungleichheit an der Wurzel zu bekämpfen. Dennis Seidenreich (AfD) machte Sprachkompetenz zur zentralen Voraussetzung für gelungene Integration, wohingegen Achim Sprenggard (Volt) Vielfalt als Stärke und nicht als Herausforderung sah.
Auch bei der Stadtplanung prallten die Vorstellungen aufeinander. Sprenggard plädierte für ein radikales Umdenken jenseits von rein handelsorientierter Planung. Lukas Hakler (Die PARTEI) schlug vor, das historische Fünfeck-Viertel umzugestalten, um Wiesbadens Stadtsilhouette prägnanter zu machen – allerdings ohne dass seit den Diskussionen 2022 konkrete Schritte folgten.
Die Schüler sorgten mit straffer Zeitvorgabe und gezielten Nachfragen für eine disziplinierte Diskussion. Ihr Ansatz stellte sicher, dass es stets um die konkreten Auswirkungen von Politik auf den Alltag ging.
Die Veranstaltung offenbarten tiefe Unterschiede in den Visionen für Wiesbaden – aber auch gemeinsame Sorgen über die künftige Entwicklung der Stadt. Themen wie Wohnraum, Sicherheit und urbaner Identität werden die Diskussionen voraussichtlich weiter prägen. Zwar wurden keine unmittelbaren politischen Weichenstellungen bekannt gegeben, doch bot die Diskussion Schülerinnen, Schülern und Bürgerinnen die seltene Gelegenheit, die vielfältigen Vorschläge aus erster Hand zu hören.






