AfD in Hessen: Wie Vetternwirtschaft die Partei unter Druck setzt
Raphaela HermighausenAfD in Hessen: Wie Vetternwirtschaft die Partei unter Druck setzt
Vetternwirtschafts-Vorwürfe gegen die AfD mehren sich bundesweit
In der Partei Alternative für Deutschland (AfD) häufen sich landesweit Vorwürfe der Vetternwirtschaft. Aktuelle Berichte nennen mehrere Fälle, in denen Angehörige von Abgeordneten in parteinahen Positionen beschäftigt sind. Besonders in Hessen steht das Thema im Fokus – mit Verbindungen zu Damian Lohr, dem parlamentarischen Geschäftsführer der AfD in Rheinland-Pfalz.
Mehrere Familienmitglieder von Damian Lohr bekleiden Positionen mit AfD-Bezug: Seine Schwester arbeitet seit sieben Jahren für die hessische AfD-Fraktion – als Assistentin des Fraktionsvorsitzenden Robert Lambrou, der ihre Leistung als "herausragend" bezeichnet. Lohrs Mutter ist zudem seit einem Jahrzehnt bei der AfD-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz angestellt.
In Wiesbaden ist Lohrs Stiefvater seit Januar 2022 für die AfD-Fraktion im Rathaus tätig. Zwar bestätigte Lambrou, dass in der hessischen AfD-Fraktion keine weiteren Angehörige von Abgeordneten beschäftigt seien. Eine künftige Einstellung qualifizierter Familienmitglieder schloss er jedoch nicht aus – mit Verweis auf die rechtliche Zulässigkeit.
Doch nicht nur in Hessen sieht sich die AfD mit solchen Vorwürfen konfrontiert: So soll etwa der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Stefan Keuter seine Freundin beschäftigt haben. Auch in den Landesverbänden Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gibt es ähnliche Kontroversen. Auf Bundes- und Landesebene stehen mehrere Abgeordnete in der Kritik, weil sie Angehörige oder enge Vertraute eingestellt haben. Wie viele Fälle tatsächlich geprüft oder sanktioniert wurden, bleibt in den öffentlichen Unterlagen jedoch unklar.
Das hessische Abgeordnetengesetz regelt zwar die Beschäftigung von Mitarbeitern der Parlamentarier, verbietet die Anstellung von Angehörigen aber nicht explizit. Auch die hessische AfD-Fraktion selbst hat keine spezifischen Richtlinien dagegen – was Spielraum für Auslegungen lässt.
Die Personalpolitik der AfD bleibt damit weiter im Blickpunkt, insbesondere dort, wo familiäre Bindungen und politische Funktionen aufeinandertreffen. Während einige Funktionäre die Besetzungen als rechtlich einwandfrei und leistungsbasiert verteidigen, fehlen klare Regeln – und damit bleibt die Partei anfällig für anhaltende Kritik. Die Fälle in Hessen spiegeln ein bundesweites Muster wider, dem die AfD derzeit ausgesetzt ist.