Ärzte warnen: Deutschlands Gesundheitssystem droht wegen Reformstau zu kollabieren
Frieder LachmannÄrzte warnen: Deutschlands Gesundheitssystem droht wegen Reformstau zu kollabieren
Deutschlands Gesundheitssystem steht wegen Finanzierungsungleichgewichten und gescheiterter Reformen in der scharfen Kritik von Ärztevertretern. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wirft der Bundesregierung vor, dringend notwendige Änderungen zu blockieren, während die ambulante Versorgung mit steigenden Kosten und veralteten Strukturen kämpft. Gleichzeitig fließen Milliarden in Krankenhäuser und Apotheken, ohne dass die grundlegenden Ineffizienzen behoben werden.
Zwischen 2019 und 2024 verloren Vertragsärzte durch nicht erstattete Leistungen im Rahmen strenger Budgetvorgaben über 11 Milliarden Euro. Dennoch behandeln ambulante Praxen 97 Prozent aller Fälle, erhalten aber nur 16 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen kritisierte scharf, dass weiter Gelder in die stationäre Versorgung fließen, ohne klare Ziele vorzugeben. Zudem übt er Kritik an der Apothekenreform, die Apotheken zusätzliche 1 Milliarde Euro an festen Packgebühren einbringt.
Dr. Sibylle Steiner, ebenfalls KBV-Vertreterin, forderte Nachbesserungen beim Apotheken-Versorgungswirtschaftlichkeitsgesetz (ApoVWG). Zudem verlangte sie, dass Praxen endlich zuverlässig digital mit Krankenhäusern, Versicherungen und Pflegediensten kommunizieren können – ohne ständige Störungen. Aktuell kämpfen Ärzte mit täglichen Ausfällen der Telematikinfrastruktur (TI), unterbrochenen Datenflüssen und anhaltenden Problemen mit den elektronischen Gesundheitskarten.
Dr. Stephan Hofmeister verschärfte die Kritik und wies darauf hin, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) nun gezwungen sind, rund um die Uhr Telemedizin und Hausbesuche anzubieten – selbst während der regulären Sprechzeiten. Gleichzeitig betonte die KBV, dass nicht versicherungspflichtige Leistungen mit Kosten von bis zu 45 Milliarden Euro in den Spardebatten ausgeklammert bleiben. Der Verband wirft der Regierung vor, den politischen Willen für dringende Reformen zu fehlen.
Die Forderungen der KBV konzentrieren sich auf die Sanierung der digitalen Infrastruktur, eine gerechtere Finanzierung und die Beendigung von Fehlausgaben. Ohne diese Änderungen wird die ambulante Versorgung weiter die Hauptlast der Ineffizienzen tragen. Die Bundesregierung hat auf die Appelle nach sofortigem Handeln bisher nicht reagiert.






