Bahn-Chaos nach GSM-R-Ausfall: Warum Deutschlands Schienennetz plötzlich stillstand
Raphaela HermighausenBahn-Chaos nach GSM-R-Ausfall: Warum Deutschlands Schienennetz plötzlich stillstand
Deutschlands Bahnnetz erlebte am Dienstagabend einen seltenen flächendeckenden Stillstand. Ein Ausfall des Zugfunksystems brachte Tausende Reisende für fast zwei Stunden zum Stehen. Der Vorfall ereignete sich während Wartungsarbeiten an einer zentralen Komponente des GSM-R-Systems.
Der Ausfall trat plötzlich auf und betraf das gesamte Netz. Philipp Nagl, Chef von DB InfraGO, bestätigte, dass ein Fehler während der Wartung die Ursache war. Nun laufen Untersuchungen, um den genauen Fehler im technischen Austauschprozess zu ermitteln.
Gleichzeitig steht die Deutsche Bahn vor internen Umbrüchen. Der Aufsichtsrat berät über einen umfassenden Umstrukturierungsplan, der den Abbau von rund 30 Prozent der 3.500 Führungspositionen im Konzern vorsieht. Zudem sollen mehr Verantwortlichkeiten an regionale Manager übertragen werden.
Hinzu kommt ein Wechsel in der Finanzspitze: Michael Obrowski, bisher bei Volkswagen tätig, übernimmt als neuer Finanzvorstand. Er löst Karin Dohm ab, die das Unternehmen nach nur vier Monaten in dieser Position verließ.
Unterdessen verzögert sich das Bahnprojekt Stuttgart 21 erneut. Die Inbetriebnahme ist nun erst für Ende 2031 vorgesehen – fünf Jahre später als geplant. Verantwortlich dafür sind komplexe Digitalisierungsprozesse und mangelhafte Planung. Das Projekt wird mittlerweile mit dem Berliner Flughafen BER verglichen, der 14 Jahre später als geplant eröffnet wurde.
Auch der externe Druck wächst. Der italienische Bahnbetreiber Italo plant 2028 den Einstieg in den deutschen Fernverkehr. Mit 30 Hochgeschwindigkeitszügen will das Unternehmen lukrative Strecken bedienen – was die Fähigkeit der Deutschen Bahn schwächen könnte, durch Quersubventionen den Regionalverkehr zu finanzieren.
Der Ausfall des Funksystems hat Zweifel an der Zuverlässigkeit des Schienenverkehrs geschürt. Die Umstrukturierung und Führungswechsel bei der Deutschen Bahn zielen zwar auf mehr Effizienz ab. Doch Verzögerungen bei Großprojekten wie Stuttgart 21 und die neue Konkurrenz durch Italo stellen das Unternehmen vor zusätzliche Herausforderungen.
