27 April 2026, 20:28

CDU und AfD kooperieren in Biebesheim – Partei leitet Ausschlussverfahren ein

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CDU und AfD kooperieren in Biebesheim – Partei leitet Ausschlussverfahren ein

Eine kürzliche Abstimmung in Biebesheim am Rhein hat für Aufsehen gesorgt, nachdem örtliche Mitglieder von CDU und AfD bei der Wahl eines stellvertretenden Bürgermeisters zusammengearbeitet haben. Dieser Schritt widerspricht der offiziellen Haltung der CDU, die eine Zusammenarbeit mit der rechtsextremen Partei ablehnt. Landes- und Kreisverbände haben nun schnell gegen die Beteiligten reagiert.

Der Vorfall ist Teil eines größeren Trends lokaler politischer Kooperationen mit der AfD, wie eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) zeigt.

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Der Streit begann, als CDU- und AfD-Vertreter gemeinsam eine Kandidatenliste für die Wahl der ehrenamtlichen stellvertretenden Bürgermeister einreichten. Dies war eine direkte Reaktion auf einen gemeinsamen Vorschlag von SPD, Grünen und Freien Wählern, die zusammen 17 der 31 Sitze im Gemeinderat halten.

Nach der ersten Einreichung wurde die Ratssitzung unterbrochen, da die CDU Kandidaten anderer Fraktionen ohne deren Zustimmung aufgenommen hatte. Nach der Fortsetzung der Sitzung einigten sich CDU und AfD auf eine überarbeitete Liste – mit dem Ergebnis, dass der AfD-Kandidat Bernd Kahnert einen Platz im Gemeindevorstand erhielt.

Der CDU-Kreisverband Groß-Gerau verurteilte die Zusammenarbeit umgehend. Die gemeinsame Abstimmung sei "offensichtlich spontan und unabgestimmt" gewesen, betonte der Verband, hielt aber gleichzeitig an der klaren Ablehnung einer Zusammenarbeit mit der AfD fest. Der Kreisvorsitzende Stefan Sauer bekräftigte die "unmissverständliche Unvereinbarkeitserklärung" der CDU mit der AfD, eine Regelung, die 2020 nach der Ermordung von Dr. Walter Lübcke verschärft worden war.

Hessens CDU-Generalsekretär Leopold Born unterstützte das Vorgehen gegen die beteiligten Ortsmitglieder und forderte "sofortige und konsequente" Maßnahmen. Der Kreisverband hat inzwischen Parteiausschlussverfahren gegen die an der Abstimmung Beteiligten eingeleitet.

Der Vorfall bestätigt Erkenntnisse der WZB-Studie, die über 5.000 inhaltliche Abstimmungen zwischen Mitte 2019 und Mitte 2024 analysierte. Demnach kam es in fast 19 Prozent der Fälle zu "direkter Zusammenarbeit" mit der AfD auf kommunaler Ebene. Besonders häufig kooperierten demnach fraktionslose Gemeinderäte und Mitglieder kleinerer Parteien mit der rechtsextremen Gruppe.

Die CDU hat in Biebesheim am Rhein disziplinarische Schritte gegen ihre Mitglieder eingeleitet. Gegen diejenigen, die durch die Zusammenarbeit mit der AfD gegen die Parteilinie verstießen, laufen nun Ausschlussverfahren. Der Fall verdeutlicht die anhaltenden Spannungen in der Kommunalpolitik über Bündnisse mit der rechtsextremen Partei.

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