Dresdens verbotene Kunst: Wie eine Gruppe die DDR herausforderte
Dresden war einst das künstlerische Zentrum der Deutschen Demokratischen Republik. Jahrzehntelang galt die Hochschule für Bildende Künste als führende Institution, die den Sozialistischen Realismus bis in die späten 1970er-Jahre prägte. Doch hinter dieser offiziellen Fassade formierte sich eine Gruppe von Künstlern, die das System herausfordern sollte.
Die Stadt war Schauplatz der bedeutendsten Kunstereignisse der DDR. Alle fünf Jahre, seit 1953, verwandelte sich das Albertinum auf der Brühlschen Terrasse in die Bühne für zentrale Ausstellungen. Währenddessen knüpften Studierende der Hochschule für Bildende Künste – darunter Eberhard Göschel, Hans Scheib und Reinhard Stangl – zunächst an die expressionistischen Traditionen der Brücke-Bewegung an.
Eberhard Göschel, der dort bis 1969 studierte, gründete später die Obergrabenpresse, eine wichtige Plattform für unabhängige Kunst. Ende der 1970er-Jahre eröffnete Hans Scheib private Ausstellungsräume – zunächst 1977 in der Raumerstraße 23, drei Jahre später in der Sredzkistraße 64. Diese Orte wurden zu Treffpunkten für Künstler, die Grenzen überschritten.
Zu der Gruppe zählten auch Volker Henze, Helge Leiberg, Christine Schlegel, Cornelia Schleime und Ralf Kerbach. Sie sahen sich zunehmend Repressionen ausgesetzt: Ihre Werke wurden verboten, Aufträge entzogen, und sie standen unter Beobachtung der Stasi. 1982 führte eine von Göschel und Leiberg organisierte Themenausstellung im Leonhardi-Museum sogar zu dessen vorübergehender Schließung.
Das Wirken dieser Künstler markierte einen stillen, aber beharrlichen Widerstand innerhalb der kontrollierten Kunstszene der DDR. Ihre Ausstellungen, oft verboten oder vorzeitig beendet, schufen dennoch Räume, in denen alternative Stimmen kurz aufkeimen konnten. In den 1980er-Jahren hatte ihr Aufbegehren bleibende Spuren in der Dresdner Kulturgeschichte hinterlassen.






