21 February 2026, 06:54

Emine Gürbüz kämpft seit Hanau für Gerechtigkeit – und stößt auf Mauern

Eine Gruppe maskierter Personen marschiert auf einer Straße mit einem Banner, einem geparkten Auto auf der linken Seite, Gebäuden, Bäumen, Schildern, Pfählen und einem Uhrenturm im Hintergrund unter einem klaren blauen Himmel.

Emine Gürbüz kämpft seit Hanau für Gerechtigkeit – und stößt auf Mauern

Emine Gürbüz verlor ihren ältesten Sohn Sedat bei dem rassistischen Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020. Neun Menschen kamen ums Leben, darunter ihr 29-jähriger Sohn. Seither kämpft sie für Gerechtigkeit und einen Wandel im Umgang Deutschlands mit Rassismus.

Doch ihr Engagement stößt auf Widerstand. Trotz eines offenen Briefs von 222 Kulturschaffenden, die eine Entschuldigung forderten, hat Hanaus regierende Koalition weder eine Entschuldigung ausgesprochen noch den Dialog gesucht. Stattdessen verschärften sich die Spannungen, sodass Familien wie die ihre gezwungen sind, eigene Gedenkveranstaltungen zu organisieren.

Ein Jahr nach dem Anschlag hielt Emine Gürbüz eine Rede bei der offiziellen Gedenkfeier in Hanau. Darin kritisierte sie das Versagen der Stadt und Deutschlands im Kampf gegen Rassismus. Ihre Worte lösten Gegenwehr aus: Vertreter von CDU, FDP und SPD warfen ihr vor, sich unangemessen verhalten zu haben.

Später nahm sie an den Sitzungen des Hanau-Untersuchungsausschusses im hessischen Landtag teil. Der Prozess enttäuschte sie – sie beschrieb ihn als schmerzhaft und unzureichend. Parallel dazu engagiert sie sich weiterhin in der Initiative 19. Februar, einer Gruppe, die von Überlebenden und Angehörigen der Opfer gegründet wurde.

Bis 2023 verschärften sich die politischen Spannungen. Der Stadtrat stellte die offiziellen Gedenkveranstaltungen ein und begründete dies damit, dass die Familien "politische Agitation" betreiben würden. Als Reaktion begannen Angehörige und Aktivist:innen, eigene stille Mahnwachen abzuhalten. Zu diesen Treffen gehören heute auch Kranzniederlegungen an den Tatorten, an denen Vertreter:innen aus Stadt, Land und Bund teilnehmen.

Über Hanau hinaus formiert sich gesellschaftlicher Widerstand. Neue Denkmäler in Hamburg und dokumentarische Theaterprojekte thematisieren mittlerweile das Versagen der Behörden. Doch für Emine Gürbüz bleibt der Kampf persönlich. Sie schöpft Kraft daraus, gemeinsam mit anderen zu stehen, die ebenfalls Angehörige durch Rassismus verloren haben. Ihre Forderung ist klar: Solche Anschläge dürfen sich nie wiederholen – und es braucht dringend politische Veränderungen, um weitere Gewalt zu verhindern.

Seit 2020 hält Emine Gürbüz das Andenken an ihren Sohn durch ihr Engagement wach. Offizielle Gedenkveranstaltungen wurden von familiengeführten Initiativen abgelöst, während in ganz Deutschland kulturelle Projekte entstehen. Doch ihre Forderungen nach Aufarbeitung und Reformen bleiben von Hanaus Führung ignoriert.

Die Weigerung der Stadt, sich mit den Betroffenen auseinanderzusetzen, zwingt die Familien, selbst für Veränderung zu kämpfen. Ihr Kampf geht weiter – geprägt von jährlichen Treffen und einer wachsenden öffentlichen Anerkennung der systemischen Versäumnisse, die hinter dem Anschlag stehen.