16 February 2026, 15:28

Europas Kampf um digitale Souveränität: Warum die USA noch immer dominieren

Ein Plakat mit 'National Cyber Range' in fetter, weißer Schrift auf einem blauen Hintergrund, das eine Weltkugel mit verbundenen Computern zeigt.

Europas Kampf um digitale Souveränität: Warum die USA noch immer dominieren

Deutschland und Europa sorgen sich zunehmend über ihre Abhängigkeit von US-Technologie

Von Bezahlsystemen bis zu Militärtechnik – die starke Abhängigkeit von amerikanischen Unternehmen birgt erhebliche Risiken, sollten die USA plötzlich Restriktionen verhängen. Nun fordern Aktivisten und lokale Regierungen eine größere digitale und militärische Eigenständigkeit.

Die neue Kampagne Tag der digitalen Souveränität ruft dazu auf, US-Technologiedienste zu meiden. An jedem ersten Sonntag im Monat wirbt die Initiative dafür, auf alternative Plattformen umzusteigen – statt sich auf Visa, Mastercard, PayPal, Apple oder Google zu verlassen. Unterstützer warnen, dass plötzliche US-Sanktionen oder Beschränkungen den Alltag in Deutschland massiv stören könnten.

Auch öffentliche Einrichtungen gehen erste Schritte in Richtung Unabhängigkeit. Schleswig-Holstein stellt seine Verwaltung schrittweise auf lokal gehostete Open-Source-Lösungen um. Das Vorhaben soll nicht nur Kosten sparen, sondern auch europäischen Unternehmen die Chance geben, mit den dominierenden US-Anbietern wie Microsoft zu konkurrieren – die in deutschen Behördensystemen derzeit quasi ein Monopol innehaben.

Ähnliche Herausforderungen zeigen sich in der europäischen Sicherheitspolitik. Trotz gestiegener Verteidigungsausgaben und gelockerter EU-Schuldenregeln für Militärbudgets fließt das meiste Geld in US-Rüstungskonzerne – statt die eigene europäische Kapazitäten zu stärken. Zwar erreichten 2024 immerhin 23 der 32 NATO-Mitglieder die Zwei-Prozent-Marke der Verteidigungsausgaben gemessen am BIP, doch in Schlüsseltechnologien wie Satellitenaufklärung oder hochmodernen Kampfflugzeugen wie der F-35 bleibt Europa von US-Lieferanten abhängig.

Die Bestrebungen nach digitaler und militärischer Autonomie gewinnen zwar an Fahrt, doch die Hürden sind groß. Solange es keine tragfähigen europäischen Alternativen gibt, bleiben sowohl der öffentliche als auch der private Sektor stark von US-Technologie abhängig. Ob Europa seine Verwundbarkeiten langfristig verringern kann, wird sich an den Erfolgen dieser Initiativen zeigen.