EZB kauft riskante Unternehmensanleihen – wer haftet bei Pleiten?
Raphaela HermighausenEZB kauft riskante Unternehmensanleihen – wer haftet bei Pleiten?
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Rahmen ihres Programms zur quantitativen Lockerung 440 Unternehmensanleihen erworben. Mit diesem Schritt soll die Finanzierung für ein breites Spektrum von Unternehmen erleichtert werden – nicht nur für Großkonzerne. Doch die Strategie birgt Risiken, die die Steuerzahler im gesamten Euroraum belasten könnten.
Zu den von der EZB gekauften Anleihen gehören Unternehmen aus Italien, Portugal und Finnland. Einige dieser Firmen sind mittelgroß oder in Privatbesitz, andere verfügen über Anleihen, die von bestimmten Ratingagenturen als "Ramsch" (engl. junk) eingestuft werden. Fast die Hälfte der erworbenen Papiere trägt ein Rating von B oder schlechter – ein Hinweis auf ein erhöhtes Ausfallrisiko.
Anders als bei üblichen Risikoangaben nutzt die EZB ISIN-Codes, die kaum Rückschlüsse auf die tatsächlich betroffenen Unternehmen zulassen. Zudem stützt sich die Bank bei der Einstufung als investmentgrade auf das höchste Rating der vier großen Agenturen. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, auch riskantere Vermögenswerte in das Portfolio aufzunehmen.
Geht ein Unternehmen, dessen Anleihen die EZB hält, pleite, trägt der Steuerzahler im Euroraum die finanzielle Last. Die Anleihenkaufstrategie der Bank wird bereits mit Hedgefonds verglichen – mit ähnlichen Risiken und Marktnebenwirkungen.
Mittlerweile hält die EZB im Rahmen ihres Programms Hunderte von Unternehmensanleihen, viele davon mit niedriger Bonität. Scheitern diese Investitionen, könnten die Steuerzahler für die Verluste aufkommen. Die Rolle der Zentralbank nähert sich damit zunehmend der eines groß angelegten Hedgefonds an – inklusive aller damit verbundenen finanziellen Risiken.






