20 February 2026, 04:57

Hessens Adelsfamilie bietet Schlösser und Millionen-Stiftung dem Land an

Ein aufgeschlagenes Buch mit einer detaillierten Skizze einer Stadtlandschaft mit Gebäuden und einem Schloss, das feine architektonische Details wie Fenster und Türme zeigt.

Wo soll das Schloss hin? Großes Angebot, große Zweifel - Hessens Adelsfamilie bietet Schlösser und Millionen-Stiftung dem Land an

Hessen prüft ungewöhnliches Angebot des Adelshauses Hessen

Das Bundesland Hessen prüft ein ungewöhnliches Angebot des hochadeligen Hauses Hessen. Die Familie hat vorgeschlagen, zwei Schlösser, historische Mausoleen und eine mit 450 Millionen Euro dotierte Kulturstiftung in öffentlichen Besitz zu überführen. Die Behörden müssen nun abwägen, ob der kulturelle Gewinn die möglichen finanziellen Belastungen für Erhalt und Unterhalt der Immobilien rechtfertigt.

Zu dem Angebot gehören Schloss Friedrichshof, ein Luxushotel mit Golf- und Reitanlage, sowie das barocke Schloss Fasanerie mit einem angeschlossenen Kunstmuseum. Doch bleiben Bedenken hinsichtlich der Sanierungskosten und der langfristigen Finanzierung des Erhalts.

Die Kulturstiftung des Hauses Hessen, deren Vermögen auf rund 450 Millionen Euro geschätzt wird, verwaltet seit Generationen Kunstschätze und kulturelle Güter in privater Hand. Viele dieser Liegenschaften schreiben jedoch Verluste und benötigen erhebliche Investitionen. Die Familie argumentiert, dass eine Übertragung der Stiftung an das Land eine bessere Bewahrung und einen breiteren öffentlichen Zugang gewährleisten würde.

Eines der zentralen Objekte im Angebot ist Schloss Erbach, das die Familie 2005 erwarb. Diese Übernahme geriet später in die Kritik, nachdem die Sanierungskosten die ursprünglichen Schätzungen bei Weitem überstiegen und die Besucherzahlen hinter den Prognosen zurückblieben. Ein weiteres bedeutendes Anwesen ist Schloss Fasanerie in Eichenzell, ein barockes Bauwerk mit Museum und einer umfangreichen Kunstsammlung. Zum Paket gehören zudem die Mausoleen auf der Rosenhöhe in Darmstadt, die ohne dringende Restaurierungsarbeiten weiter verfallen könnten.

Donatus, Landgraf von Hessen, und Markus Miller, Direktor des Museums Fasanerie, betonen, das Angebot sei fair. Die Immobilien seien in gutem Zustand und zählten zu den wichtigsten Kulturgütern des Landes. Eine mögliche Lösung für das Land wäre die Eingliederung der Standorte in die bereits bestehenden Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, die derzeit 48 Denkmäler verwalten.

Doch die hessische Landesregierung zeigt sich zurückhaltend. Die Behörden prüfen, wie die laufenden Kosten gedeckt werden könnten – etwa durch Erträge aus dem Stiftungsvermögen. Der Prozess werde Zeit in Anspruch nehmen, betonen die Verantwortlichen und setzen auf Gründlichkeit statt auf Schnelligkeit.

Schloss Friedrichshof in Kronberg, Teil des Angebots, wird als Fünf-Sterne-Hotel mit Golfplatz und Reitzentrum betrieben. Zwar erwirtschaftet es Einnahmen, doch bindet der Erhalt weiterhin erhebliche Mittel. Nun muss der Staat entscheiden, ob der kulturelle Wert der Objekte die langfristige finanzielle Verpflichtung rechtfertigt.

Die hessische Landesregierung bewertet das Angebot weiterhin – unter Abwägung der kulturellen Bedeutung und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Bei einer Annahme wäre dies die erste Übernahme adeliger Liegenschaften durch die öffentliche Hand in der Region. Die endgültige Entscheidung hängt davon ab, ob eine nachhaltige Finanzierung für Erhalt und Betrieb gesichert werden kann.