Jeder Zweite betroffen: Digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen erreicht alarmierendes Ausmaß
Raphaela HermighausenJeder Zweite betroffen: Digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen erreicht alarmierendes Ausmaß
Fast die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland ist von digitaler sexualisierter Gewalt betroffen – das zeigt eine aktuelle Studie. Wie das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit in einer 2025 veröffentlichten Erhebung feststellte, haben 64 Prozent der 14- bis 25-Jährigen bereits nicht-körperliche Formen von Missbrauch erlebt, darunter Cyberstalking und Online-Belästigung. Fachleute fordern nun mehr Unterstützung von Schulen, Eltern und Tech-Plattformen, um das wachsende Problem einzudämmen.
Das Ausmaß der Problematik wurde durch eine Sonderauswertung der Jugendsexualitätsstudie deutlicher. Demnach erleben viele Jugendliche Grenzüberschreitungen in Freundeskreisen oder Klassenchats – oft aus Naivität oder mangelndem Problembewusstsein. Besonders besorgniserregend ist zudem das sogenannte Cybergrooming, bei dem Täter gezielt über Online-Chats Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufnehmen. Dadurch können Missbrauchende ihre Opfer in bisher unbekanntem Ausmaß erreichen.
Ein viel beachteter Fall brachte das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit: Die Schauspielerin Collien Fernandes warf ihrem Ex-Mann, dem Schauspieler Christian Ulmen, digitale Gewalt vor. Ihre Vorwürfe machten deutlich, wie sehr digitale Übergriffe mittlerweile als Teil umfassender Schadensmuster anerkannt werden.
Die Expertin für digitale Sicherheit, Yasmina Ramdani, setzt sich direkt in Schulen für Aufklärung ein. Drei Jahre lang leitete sie in Thüringen Präventionsworkshops und erreichte rund 5.000 Schüler:innen. Mit interaktiven Methoden wie Bingokarten hilft sie Jugendlichen, digitale Erfahrungen in alltagsnahe Diskussionen zu übersetzen. Ramdani betont, wie stark die Online-Sicherheit von Kindern davon abhängt, wie gut Erwachsene sie darauf vorbereiten.
Lehrkräfte fühlen sich bei der Thematik jedoch oft überfordert – obwohl sie deren Bedeutung erkennen. Auch Eltern kommt eine Schlüsselrolle zu, indem sie ihr eigenes Verhalten reflektieren und offen mit ihren Kindern über Grenzen sprechen. Kritiker:innen verweisen zudem auf die Verantwortung sozialer Medien, deren Algorithmen auf maximale Aufmerksamkeit und Reichweite ausgelegt sind und damit schädliches Verhalten begünstigen können.
Die Daten belegen: Digitale sexualisierte Gewalt ist unter Jugendlichen weit verbreitet. Schulen, Familien und Tech-Konzerne stehen nun unter Druck, entschlossener zu handeln. Ohne bessere Prävention und Unterstützung, warnen Expert:innen, werde sich das Problem weiter verschärfen.






