21 February 2026, 13:17

Mainzer Stadtrat erhält den ersten "Dummen August" – eine Ehre für scheiternde Clowns

Ein Plakat für die Galway Music Excentrics mit einer Frau in der Mitte und zwei Clowns an den Seiten, mit Text, der das Zirkusprogramm und seine Künstler beschreibt.

Mainzer Stadtrat erhält den ersten "Dummen August" – eine Ehre für scheiternde Clowns

Ein linker Stadtrat aus Mainz erhält eine ungewöhnliche Ehre

Der Mainzer Stadtrat Martin Malcherek wurde mit einer ganz besonderen Auszeichnung bedacht: dem ersten jemals verliehenen Dummen August – ein Preis, der den tollpatschigen Clown ehrt, der mit Stil scheitert. Die Tradition reicht bis zu den antiken römischen Narren und der langen Geschichte der Karnevalssatire in der Region zurück.

Überreicht wurde die Auszeichnung von Dirk Loomans, dem Präsidenten des Karneval Club Kastel, der dabei die Rolle des würdevollen weißen Clowns, des Bajazzo, einnahm. Malcherek wurde für seinen Originalitätssinn, seinen Humor und seine Weigerung, sich anzupassen, ausgewählt – Eigenschaften, die die Veranstalter als essenziell für den Geist des Karnevals bezeichneten.

Die Figur des Dummen August geht auf das Jahr 1838 zurück, als der Schneider August Heichele einen Hofnarren ersann, um törichtes Verhalten auf die Schippe zu nehmen. Mit der Zeit entwickelte er sich zum offiziellen Begrüßer des Mainzer Karnevals und verkörpert seither schlichte Freude und Bescheidenheit. Seit 1959 empfängt die Figur die Menge mit ungekünstelter Ausgelassenheit – ähnlich wie vergleichbare Gestalten auf anderen deutschen und Schweizer Festen.

Schon im antiken Rom kannte man mindestens vier Clown-Typen, die jeweils unterschiedliche Rollen erfüllten. Eine frühe Variante, der Centunculus, trug ein Flickwerk-Kostüm und eine rote Nase – ein Vorfahre des heutigen roten Clowns. Clowns waren seit jeher Wahrheitsverkünder, die mit Humor Normen infrage stellten und Absurditäten entlarvten.

Loomans betonte, dass der Dumme August – der Narr, der unangenehme Fragen stellt und grandios scheitert – zwar unverzichtbar, aber oft unbeliebt sei. Malcherek verkörpere diese Rolle perfekt, lobte er, vor allem wegen seiner Weigerung, sich anzupassen, und seiner Fähigkeit, andere zu verunsichern. In seiner Dankesrede forderte Malcherek einen Karneval, in dem Geld mit vollen Händen ausgegeben wird, Barrieren verschwinden und alle gleich sind.

Die Mainzer Karnevalsnarren treten in vielen Gestalten auf: als schlaue Spaßmacher, scharfe Satiriker oder feinsinnige Kritiker. Doch alle eint der Auftrag, die Welt auf die Schippe zu nehmen und gleichzeitig Lösungen vorzuschlagen. Der Dumme August hebt sich als liebenswerter Versager ab – eine Erinnerung daran, dass selbst Stolpern einen Sinn haben kann.

Die Auszeichnung unterstreicht die bleibende Bedeutung der Narren in der Karnevalskultur. Malchereks Würdigung verbindet moderne Satire mit jahrhundertealten Traditionen, in denen Clowns durch Lachen Wahrheiten offenbaren. Der Dumme August bleibt ein Symbol des Widerstands – eine Hommage an alle, die sich weigern, nach den Regeln zu spielen.