Milo Rau inszeniert Scheinprozess gegen die AfD in Hamburgs Thalia Theater
Raphaela HermighausenRegisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert Scheinprozess gegen die AfD in Hamburgs Thalia Theater
Hamburgs Thalia Theater wird diese Woche eine mutige politische Veranstaltung ausrichten – im Rahmen der Hamburger Lessing-Tage. Der Schweizer Regisseur Milo Rau bringt sein umstrittenes Stück "Der Prozess gegen Deutschland" erstmals in Deutschland auf die Bühne. In einem dreitägigen Scheinprozess wird debattiert, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte.
Die Hamburger Lessing-Tage wurden 2010 unter dem damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux ins Leben gerufen. Das diesjährige Festival, kuratiert von Matthias Lilienthal – der bald die Berliner Volksbühne leiten wird –, endet mit Raus provokanter Inszenierung. Die Veranstaltung wird live auf der Website des Theaters übertragen und so einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Raus "Der Prozess gegen Deutschland" knüpft an seine internationale "Prozess"-Reihe an, die reale Zeugenaussagen, Nachstellungen und Publikumsteilnahme verbindet. Frühere Arbeiten umfassen "Die Moskauer Prozesse"* (2013), eine Neuinszenierung von Stalins Schauprozessen, sowie "Das Kongo-Tribunal"* (2015), das sich mit Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit Konfliktrohstoffen befasst. Sein Stück "Brexit in Brüssel"* (2019) untersuchte die Folgen des britischen EU-Austritts. Jede Produktion zwingt das Publikum, sich mit drängenden politischen Fragen in einer theatralischen Debatte auseinanderzusetzen.
Für diese Ausgabe übernimmt die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin die Rolle der Richterin. Der Scheinprozess wird die Politik der AfD und ihre Vereinbarkeit mit demokratischen Werten unter die Lupe nehmen. Raus Ansatz – eine Mischung aus Dokumentartheater und öffentlicher Beteiligung – soll dringend notwendige Diskussionen über Extremismus und Rechtsstaatlichkeit anstoßen.
"Der Prozess gegen Deutschland" ist Raus erste Aufführung seiner "Prozess"-Reihe in Deutschland. Mit einer ehemaligen Justizministerin als Vorsitzende wird die Veranstaltung die Zukunft der AfD einer öffentlichen und juristischen Prüfung unterziehen. Durch den Live-Stream des Festivals wird die Debatte über die Theaterwände hinaus getragen.
Jury fällt geteiltes Urteil über AfD in Möchteprobe
Die dreitägige Möchteprobe endete mit einer detaillierten Jury-Entscheidung am 15. Februar 2026:
- Die AfD wurde in Bezug auf Menschenwürde als verfassungswidrig befunden (5-2-Entscheidung).
- Ein verfassungsmäßiger Ausschluss wurde nicht direkt genehmigt (2-3-2), aber Organe wurden aufgefordert, dies zu überprüfen (5-2).
- Die Ausschließung von Staatsfinanzierung wurde empfohlen (4-3). "Die AfD muss auf verfassungsmäßige Vereinbarkeit überprüft werden", entschied das Panel.






