23 February 2026, 23:23

Philippe Quesnes rätselhaftes Theaterstück Le Paradoxe de John kommt ans Berliner HAU

Eine Zeichnung eines Theaterfoyers mit sitzenden Menschen, detaillierten Wanddesigns, einer beleuchteten Decke und dekorativem Text am unteren Rand.

Philippe Quesnes rätselhaftes Theaterstück Le Paradoxe de John kommt ans Berliner HAU

Der französische Regisseur Philippe Quesne bringt sein neues Stück Le Paradoxe de John ans Berliner HAU-Theater. Die Produktion markiert seine achte Zusammenarbeit mit dem Haus und folgt der Uraufführung in Paris im vergangenen November. Bekannt für seinen rätselhaften Ansatz, liefert Quesne keine klaren Erklärungen für die geheimnisvollen Elemente des Stücks – stattdessen bietet er ein immersives Erlebnis, das in Poesie und bildender Kunst verwurzelt ist.

Inspiriert ist das Stück vom Werk der Lyrikerin Laura Vázquez, die 2023 mit dem Prix Goncourt für Poesie ausgezeichnet wurde. Ihre traumhaften, fragmentarischen Texte erscheinen auf Lichtkästen, werden von den Darstellern vorgetragen und durchziehen die Aufführung wie ein roter Faden. Zeilen wie "le soir dans mon jardin je n'ai plus peur / […] / et donc ICI / il y a les choses que je mets / ICI / des bombonnes jaunes et vides / des sculptures capables de soupirer" schaffen eine Atmosphäre zwischen poetischer Tiefe und unheimlicher Experimentierfreude.

Im Zentrum der Bühne hängt ein holzerner Klappstuhl – Teil von Quesnes früherer Installation Der emanzipierte Zuschauer – von der Decke suspendiert. Im Verlauf der Vorstellung wird er in Die Zyste meiner Muster umbenannt und von den Darstellern manipuliert. Isabelle Angotti spielt eine Galeristin, die das Publikum durch die Kunstwerke führt, während gespenstische Gestalten lautlos im Hintergrund agieren. Ihr Zweck bleibt unerklärt – ganz im Sinne von Quesnes Weigerung, seine künstlerischen Entscheidungen zu erläutern.

Drei neue Darsteller – Céleste Brunnquell, Marc Susini und Veronika Vasilyeva-Rije – bereichern diesmal die Installation. Trotz ihres minimalistischen Erscheinungsbilds verwandelt das Stück das Theater in einen Raum, in dem Kunst, Text und Bewegung aufeinandertreffen. Quesnes unverwechselbarer Stil lebt von Mehrdeutigkeit und überlässt es dem Publikum, die Verbindungen zwischen Objekt, Wort und Zuschauer zu deuten.

Le Paradoxe de John ist am Berliner HAU als Quesnes neueste Erkundung der unbeantworteten Fragen der Kunst zu sehen. Die Produktion verbindet Vázquez' Lyrik mit beunruhigenden Bildern – von schwebenden Stühlen bis zu schattenhaften Erscheinungen. Während der Regisseur sich über die Bedeutung ausschweigt, entsteht durch die Verschmelzung von Text, Performance und Installation ein faszinierendes, wenn auch bewusst rätselhaftes Erlebnis.