06 March 2026, 02:48

Sechs Jahre nach dem rechtsextremen Anschlag in Hanau: Trauer, Wut und die Suche nach Gerechtigkeit

Eine detaillierte Karte von Hanau, Deutschland, mit einem blauen und weißen Farbschema, einschließlich Text und Zahlen.

Erinnerung an die Opfer von Hanau - Wulff ruft zur Vielfalt auf - Sechs Jahre nach dem rechtsextremen Anschlag in Hanau: Trauer, Wut und die Suche nach Gerechtigkeit

Sechs Jahre nach dem tödlichen rechtsextremen Anschlag in Hanau versammelten sich Angehörige und Freunde, um an Hamza Kurtović zu erinnern – eines von neun Opfern, die am 19. Februar 2020 ermordet wurden. An der Gedenkveranstaltung nahmen prominente Persönlichkeiten teil, darunter der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, während die Forderungen nach Gerechtigkeit und Aufarbeitung weiter anhalten.

Der Anschlag von 2020, verübt von einem 43-jährigen Deutschen, der sich anschließend selbst tötete, richtete sich gezielt gegen Menschen mit Migrationshintergrund. Seither ist das öffentliche Bewusstsein für Rechtsextremismus gewachsen, doch Kritiker monieren, dass noch immer zu wenig gegen systemische Versäumnisse unternommen wird.

Die Bluttat ereignete sich am Abend des 19. Februar 2020, als der Attentäter in zwei Shisha-Bars in Hanau das Feuer eröffnete. Unter den Opfern war der 22-jährige Hamza Kurtović, dessen Familie den Behörden seitdem vorwirft, die Ermittlungen unzureichend geführt zu haben. Ein zentraler Streitpunkt bleibt ein verschlossener Notausgang am zweiten Tatort, der nach Ansicht der Angehörigen zur hohen Opferzahl beitrug.

In den folgenden Jahren vollzog sich in Deutschland ein Wandel in der öffentlichen Debatte: Proteste gegen Rassismus nahmen zu, und die Medienberichterstattung über rechtsextreme Strukturen wurde intensiver. Politisch reagierte die Regierung 2021 mit der Einrichtung eines bundesweiten Gedenkorts, verschärften Waffengesetzen und erweiterten Ermittlungen zu rechtsextremen Netzwerken, darunter im Fall "NSU 2.0". Dennoch halten die Diskussionen an – besonders nach dem Anschlag in Mannheim 2024 –, wo Kritiker vor anhaltenden Lücken in der Prävention und einer zunehmenden Normalisierung rechtsextremer Rhetorik warnen.

Bei der jüngsten Gedenkfeier positionierte sich Ex-Bundespräsident Wulff deutlich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. Er forderte die Gesellschaft auf, Vorurteile aktiv zu bekämpfen, statt sie zu ignorieren. Auch Beate Hofmann, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, und Oliver Dainow, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hanau, nahmen teil und unterstrichen damit die bleibenden Folgen des Anschlags.

Hamza Kurtovićs Eltern, Armin und Dijana, haben rechtliche Schritte eingeleitet. Sie reichten eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein und werfen den Ermittlern vor, die Umstände des Todes ihres Sohnes nicht umfassend aufgeklärt zu haben. Ihr Kampf um Aufarbeitung dauert an, während politische und gesellschaftliche Reaktionen sich weiterentwickeln.

Der Anschlag von Hanau hinterließ tiefe Wunden und löste Veränderungen in Gesetzgebung, öffentlichem Bewusstsein und politischer Auseinandersetzung aus. Gedenkveranstaltungen wie diese halten das Andenken an die Opfer wach und rücken zugleich die noch offenen Forderungen nach Gerechtigkeit in den Fokus. Für die Familie Kurtović und andere Betroffene bleibt die Suche nach Antworten und die Forderung nach strukturellen Reformen unvermindert aktuell.

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