US-Haushaltsstreit drückt Stimmung – doch Europas Börsen trotzen der Unsicherheit
Anton BlochUS-Haushaltsstreit drückt Stimmung – doch Europas Börsen trotzen der Unsicherheit
Guten Morgen Dienstag: US-Haushaltsstreit belastet Märkte – europäische Börsen zeigen sich widerstandsfähig
Die aktuelle Haushaltssperre der US-Regierung hat Sorgen um die Marktstabilität geschürt, doch die europäischen Aktienmärkte zeigten sich am Dienstag robust. Zwar führten frühere Shutdowns kurzfristig zu Schwankungen, historisch gesehen erholte sich der S&P 500 jedoch stets zügig. Diesmal treiben Unsicherheiten über Wirtschaftsdaten und die Stimmung der Anleger die Bewegungen an den globalen Märkten voran.
Der jüngste Stillstand fällt in eine Phase, in der Investoren die möglichen Folgen für wirtschaftliche Kennziffern abwägen. Längere Haushaltssperren in den USA haben in der Vergangenheit zwar für Unruhe gesorgt, doch meist folgten Erholungen. Zu den schwerwiegendsten Fällen der vergangenen 30 Jahre zählen die Shutdowns 1995–1996 unter Präsident Clinton, die 21 Tage dauerten und den S&P 500 um etwa 1,5 % fallen ließen. Der 16-tägige Stillstand 2013 unter Obama führte zu einem Rückgang um 4,6 %, bevor der Index nach der Beilegung um 5,5 % zulegte. Der längste Shutdown – 35 Tage im Zeitraum 2018–2019 unter Trump – fiel mit Handelskonflikten zusammen und drückte den S&P 500 um rund 14 % nach unten, ehe eine Erholung einsetzte.
Trotz der Unsicherheiten in den USA legten die europäischen Märkte am Dienstag zu. Der Euro Stoxx 50 stieg um 1 %, während der deutsche Dax um 1 % auf 24.114 Punkte kletterte. Die Aktien von Sartorius Vz. und Merck verzeichneten mit Plus 8 % bzw. 6 % die stärksten Gewinne. Gleichzeitig gab die Auto1-Aktie nach Bekanntgabe eines Wechsels im Finanzvorstand über 3 % nach.
Unterdessen erreichte der Goldpreis mit 3.895 US-Dollar pro Feinunze ein neues Rekordhoch, da Anleger in sichere Werte flüchteten. Die Aktien von Adidas und Puma stiegen, nachdem Nike bessere als erwartete Quartalszahlen vorgelegt hatte. Auch Pfizer legte zu – der Gesundheitssektorindex des Unternehmens kletterte um etwa 3 %, nachdem ein Abkommen mit der US-Regierung vereinbart wurde: Im Gegenzug für Zollerleichterungen senkt der Pharmakonzern die Medikamentenpreise für das staatliche Programm Medicaid.
Die Inflation im Euroraum lag im September bei 2,2 % und damit leicht über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank von 2 %. Analysten der DZ Bank bezeichneten den Shutdown als einen "möglichen Stresstest" für die Märkte, doch das volle Ausmaß der Auswirkungen bleibe unklar.
Wie stark sich die Haushaltssperre auf die Märkte auswirkt, hängt vor allem von ihrer Dauer und der Art der Lösung ab. Frühere Erfahrungen zeigen, dass sich der S&P 500 oft schneller erholt als andere globale Indizes – kurzfristiger Druck bleibt jedoch bestehen. Bisher halten sich die europäischen Aktienmärkte stabil, während der Anstieg bei Gold und defensiven Werten die anhaltende Vorsicht der Anleger widerspiegelt.