Warum deutsches Theater wieder auf ultra-lange Stücke setzt – und das Publikum begeistert ist
Anton BlochWarum deutsches Theater wieder auf ultra-lange Stücke setzt – und das Publikum begeistert ist
Deutsches Theater und die Tradition der Marathon-Aufführungen
Seit Jahrzehnten ist das deutsche Theater für seine extrem langen Stücke bekannt. Seit den 1970er-Jahren trieben ehrgeizige Regisseure die Grenzen mit ultra-langen Inszenierungen voran – und das Publikum blieb ihnen treu. Jetzt, da Festivals wie das Theatertreffen die besten deutschsprachigen Bühnenproduktionen präsentieren, erleben diese monumentalen Stücke eine Renaissance – trotz ihrer strapaziösen Länge.
Der Trend zu ausufernden Theaterabenden begann in den 1970er- und 1980er-Jahren, als das Regietheater seinen Höhepunkt erreichte. Robert Wilsons Einstein on the Beach feierte 1976 Premiere und dauerte vier bis fünf Stunden ohne Pause. 1999 setzte Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele mit zwölf Stunden Spielzeit einen neuen Maßstab für Ausdauer.
Die Pandemie unterbrach diese Tradition vorübergehend. Theater passten sich an, indem sie kürzere, pausenlose Stücke zeigten, um die Hygienevorschriften einzuhalten. Doch als die Beschränkungen fielen, kehrte die Lust auf Theater-Marathons zurück.
Das diesjährige Theatertreffen unterstreicht diesen Trend erneut. Die Münchner Kammerspiele bringen Wallenstein: Ein Festmahl in sieben Gängen auf die Bühne – eine siebenstündige Produktion. Die Berliner Volksbühne wiederbelebt Peer Gynt, wobei allein der erste Teil acht Stunden dauert. Selbst jüngere Inszenierungen wie Die Brüder Karamasow am Schauspielhaus Bochum im Jahr 2023 kamen auf sieben Stunden Spielzeit.
Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte 2007 ihre erste ultra-lange Aufführung. Seither beobachtet sie, wie das Publikum diese anspruchsvollen Stücke begeistert annimmt – die Karten sind oft schnell ausverkauft. Das Festival selbst lädt herausragende Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ein und beweist damit, dass langes Theater nach wie vor zieht.
Die Tradition der Marathon-Aufführungen lebt im deutschsprachigen Theater weiter. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern, doch der Erfolg dieser monumentalen Inszenierungen spricht für sich. Festivals wie das Theatertreffen zeigen: Das Publikum hat nach wie vor Ausdauer für nächtelange Dramen.






