Warum die europäische Superbörse trotz Merz' Plänen scheitert
Frieder LachmannWarum die europäische Superbörse trotz Merz' Plänen scheitert
Diskussionen über eine einheitliche europäische Börse haben in den letzten Jahren wieder an Fahrt gewonnen, doch konkrete Pläne haben sich bisher nicht realisiert. Bundeskanzler Friedrich Merz setzt sich für eine Fusion zwischen der Deutschen Börse und Euronext ein, doch beide Unternehmen bevorzugen derzeit ihre Unabhängigkeit. Die jüngsten Äußerungen der Euronext-Führung deuten darauf hin, dass derzeit keine aktiven Verhandlungen stattfinden.
Die Idee einer europäischen "Superbörse" gewann 2020 an Fahrt, als die Europäische Kommission ihren Aktionsplan für die Kapitalmarktunion (CMU) vorlegte. Aktualisierungen 2023 und 2024, darunter das Listing-Gesetz und die CMU-2.0-Roadmap, förderten grenzüberschreitende Fusionen, um den Handel zu vereinfachen. Trotz dieser Bemühungen kam es bisher zu keiner verbindlichen Vereinbarung.
Euronext-CEO Stéphane Boujnah bestätigte kürzlich, dass eine Fusion mit der Deutschen Börse nicht in Betracht gezogen werde. Er gab zudem an, sich nicht mit Kanzler Merz getroffen zu haben, um den Vorschlag zu erörtern. Frühere Verhandlungen zwischen den beiden Börsen waren ergebnislos verlaufen, sodass beide Unternehmen weiterhin auf ihre Eigenständigkeit setzen.
Boujnah argumentierte, dass die wirtschaftliche Zukunft Europas eher durch unternehmerische Zusammenarbeit bei Projekten als durch politische Vorgaben geprägt werden sollte. Seine Aussagen spiegeln eine grundsätzliche Zurückhaltung der großen Börsen wider, sich unter einem gemeinsamen Dach zu vereinen – trotz regulatorischer Anreize.
Vorerst bleiben die Deutsche Börse und Euronext eigenständige Einheiten. Die Europäische Kommission drängt weiterhin auf eine einheitliche Börsenstruktur, doch offizielle Gespräche finden nicht statt. Der weitere Verlauf hängt davon ab, ob Marktteilnehmer oder Politiker die Initiative in künftigen Diskussionen übernehmen.