WBGU fordert Ökosysteme als kritische Infrastruktur – ein Paradigmenwechsel für den Zivilschutz
Raphaela HermighausenWBGU fordert Ökosysteme als kritische Infrastruktur – ein Paradigmenwechsel für den Zivilschutz
Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) fordert Umdenken bei kritischer Infrastruktur
Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat am Freitag einen Bericht veröffentlicht, der eine Neuausrichtung der Definition kritischer Infrastruktur verlangt. Darin wird gefordert, natürliche Ökosysteme wie Seen, Wälder und Moore als lebenswichtig für den Zivilschutz einzustufen und entsprechend zu schützen. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit gegen Hitzewellen, Pandemien und Extremereignisse zu stärken.
Bisher umfasst kritische Infrastruktur in Deutschland vor allem vom Menschen geschaffene Systeme wie Straßen, Schienen und Energienetze. Das Expertengremium betont jedoch, dass Ökosysteme die natürliche Lebensgrundlage bilden und als Puffer gegen große Bedrohungen wirken. Ihre Einstufung als kritische Infrastruktur würde einen besseren Schutz und eine stärkere Einbindung in die nationale Sicherheitsplanung gewährleisten.
Der Bericht empfiehlt eine bundesweite Erfassung zentraler Naturgebiete. Zudem schlägt er den Aufbau von Frühwarnsystemen vor, um ökologische Schädigungen zu erkennen, bevor sie ein kritisches Ausmaß erreichen. Das Risikobewusstsein für Umweltgefahren sollte in die militärische Ausbildung integriert werden, wobei der Nationale Sicherheitsrat den Schutz natürlicher Infrastruktur priorisieren solle.
Für die Finanzierung schlagen die Autoren die Mobilisierung öffentlicher und privater Mittel vor. Unternehmen sollen dazu motiviert werden, in den Erhalt von Ökosystemen zu investieren. Als Vorbild für eine von lokalen Akteuren getragene Entwicklungspolitik wird die Coral Triangle Initiative hervorgehoben.
Zusätzlich rät der Beirat zu einem globalen Umstieg auf erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft. Dies würde nicht nur Emissionen reduzieren, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bringen. Kürzungen bei Klimaprojekten, warnen die Experten, würden lokale Bemühungen zum Erhalt der Biodiversität untergraben und letztlich die globale Sicherheit gefährden.
Die Empfehlungen des WBGU zielen darauf ab, natürliche Ökosysteme in die Zivilschutzstrukturen zu integrieren. Ihr Schutz würde Gemeinden sichern und die nationale Sicherheit stärken. Der Bericht skizziert einen Fahrplan für Politik, Finanzierung und Bewusstseinsbildung, um diesen Wandel zu ermöglichen.
