Zwei Statuen, zwei Geschichten: Kolumbus-Denkmal und Mahnmal für Zwangsarbeiter polarisieren
Laila BienZwei Statuen, zwei Geschichten: Kolumbus-Denkmal und Mahnmal für Zwangsarbeiter polarisieren
Zwei Statuen, tausende Kilometer voneinander entfernt, haben kürzlich aus sehr unterschiedlichen Gründen Aufmerksamkeit erregt. In den USA wurde ein Denkmal für Christoph Kolumbus in der Nähe des Weißen Hauses wiederaufgestellt – und löste damit eine Debatte aus. Unterdessen steht in Brandenburg eine schlichte Stahlfigur als Mahnmal für diejenigen, die während des Zweiten Weltkriegs zur Zwangsarbeit gezwungen wurden.
Die Vereinigung Italian American Organizations United hat die Entscheidung von Donald Trump öffentlich unterstützt, eine Statue Kolumbus' neben dem Eisenhower Executive Office Building aufzustellen. Die Maßnahme erfolgte 2020, kurz nach den landesweiten Protesten gegen rassistische Ungerechtigkeit, die nach dem Tod von George Floyd aufgeflammt waren. Kritiker sahen in der Wiedererrichtung eine Reaktion auf die Black-Lives-Matter-Bewegung, die die Entfernung umstrittener historischer Denkmäler gefordert hatte.
Fernab der politischen Spannungen in Washington steht eine andere Statue an einer ländlichen Straße in Brandenburg. Seit 2018 erinnert sie an die Menschen, die Anfang der 1940er-Jahre auf dem Gut Neuendorf im Sande zur Zwangsarbeit gezwungen wurden. Die Initiative ging vom Bruder Jutta Baumwolls aus, einer Frau, die von Neuendorf nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Das Gesicht der Stahlfigur glänzt nun im Frühlingslicht und bietet Raum für Besinnung.
Zweimal im Jahr versammeln sich Besucher an der Statue – am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar) und am Tag der Befreiung (8. Mai). Bis Mai, in dem Jutta Baumwoll ihren 101. Geburtstag gefeiert hätte, werden noch mehr Menschen erwartet. Anders als das polarisierende Kolumbus-Denkmal ist dieses Mahnmal ein Akt lokaler Selbstermächtigung, der dafür sorgt, dass ein schmerzhaftes Kapitel deutscher Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.
Die beiden Statuen stehen für gegensätzliche Vermächtnisse. Die eine symbolisiert eine umstrittene historische Figur, die inmitten politischer Kontroversen wiederaufgestellt wurde. Die andere ist eine stille Erinnerung an das Leid der Zwangsarbeiter und bewahrt ihr Gedenken. Beide prägen auf ihre Weise, wie Geschichte heute erinnert wird.






